Andreas Speith - Ästhetische Mobilmachung


Andreas Speith - Ästhetische MobilmachungImmer wieder geistert es durch die Presse, dass einzelne Bands und Musiker aus der Schwarzen Szene rechtsradikal seien. Das Buch "Ästhetische Mobilmachung" aus dem Unrast-Verlag versucht, diesen Themenkomplex aufzuarbeiten. Das Buch zerfällt in mehrere Kapitel, die von verschiedenen Autoren verfasst wurden. Nach dem recht langen Vorwort kommt eine Übersicht über die Entstehung der Gothic-Szene und die wichtigsten Bands. Danach beschäftigt sich das Kapitel "L'art du mal" mit den philosophischen Vorbildern der "Konservativen Revolutio" (etwa dem italienischen Philosophen Julius Evola) und deren Einfluß auf die Kunst. Das nächste Kapitel ist alleine Death in June und den damit verbundenen Musikern gewidmet. Das rechte Fanzine "Sigill" (heute Zinnober) kommt ebenfalls in den Genuß eines kompletten Kapitels für sich. Das Kapitel "Synergie-Effekte" geht darauf ein, wie die Schwarze Szene von den Rechten gesehen wird. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit der "Neuen Deutschen Härte". Am Ende eines jeden Kapitels befinden sich eine Menge Fußnoten.

Insgesamt gesehen hinterlässt das Buch bei mir einen sehr zwiespältigen Eindruck. So halte ich die Analyse von Douglas Pearce (Mitbegründer und heutiger Chef von Death In June) für recht gelungen. Auch ist es gut, dass das Buch differenziert zwischen verschiedenen rechten Strömungen, und dass auch die ideologischen Grundlagen dieser Strömungen aufgezeigt werden. Die Geschichte der verschiedenen Musikrichtungen, die die Schwarze Szene ausmachen, ist ebenfalls halbwegs korrekt wiedergegeben worden.

Andere Kapitel des Buches dagegen sind weniger differenziert. So halte ich etwa das Kapitel über "Neue Deutsche Härte" für größtenteils missglückt. Meiner Ansicht nach hat der Verfasser dieses Kapitels einige Musiker, wie etwa Rammstein und Joachim Witt, missverstanden. Noch schlimmer aber ist die Darstellung naturreligiöser Richtungen, die sich durch mehrere Kapitel des Buches zieht. Offenbar setzen die Autoren alle automatisch "heidnisch" mit "antimodern" und "rechts" gleich. Hier mangelt es an Differenzierung, denn viele naturreligiöse Menschen sind weder antimodern noch rechts. Besonders ärgerlich ist, wenn in diesem Zusammenhang dann heidnische Bands wie Hagalaz Runedance alleine aufgrund der Tatsache, dass sie heidnische Gedanken vertreten, in die Nähe von Rechtsradikalen gerückt werden.

Fazit: es lohnt sich durchaus, "Ästhetische Mobilmachung" zu lesen. An vielen Stellen jedoch sollte man den Inhalt kritisch hinterfragen und im Zweifelsfall nicht alles glauben, was im Buch steht. Das Kapitel über die "Neue Deutsche Härte" dagegen kann man sich schenken.

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