Interview mit Coronatus


Coronatus, Juli 2007Das folgende Interview wurde per Email geführt im Dezember 2007 bzw. Januar 2008. Die Fragen beantworteten Carmen R. Schäfer (Carmen), Matthias Kurth (Mats) und Chriz diAnno (Chriz). Bei allen drei möchte ich mich hiermit für die Antworten bedanken.

Ein besonderer Dank geht an Jo Lang für die Vermittlung des Interviews.

Auch wenn es etwas spät kommen mag: Gratulation zum Labelvertrag und zur Veröffentlichung des Debütalbums. Wieviel Studiozeit habt ihr gebraucht, um es aufzunehmen?
Carmen: Danke und macht nix, über den Plattenvertrag freuen wir uns ja immer noch! Wir waren zwar von Anfang August bis Anfang September 2006 im Studio zum Aufnehmen, aber nicht am Stück. Dann haben wir später im September gemixt und waren Anfang Oktober in Helsinki im Finnvox zum Mastern... Ich glaube, Mats (unser Drummer) hat einmal alles zusammen gezählt und ist insgesamt auf nur 18 flotte Tage gekommen.
Mats: 12 Tage Aufnahme, 5 Tage Mix, 1 Tag Mastering, soviel ich weiß...

Was war im Rückblick schwieriger: das Album aufzunehmen oder ein Label zu finden?
Carmen: Eine interessante Frage! Ich sage mal, ob wir ein gutes Label finden würden oder nicht, war das größere Risiko, eben eine Ungewissheit. Aber überhaupt einmal dazu zu kommen, die Lieder albumreif zu bearbeiten und eingespielt zu bekommen, war aus dem Grund auch nicht einfach, weil wir zu dem Zeitpunkt keinen festen Gitarristen und Bassisten hatten - hier haben uns Freunde geholfen - deshalb haben die beiden Besetzungen auch gewechselt.

Wie kam der Albumtitel "Lux Noctis" zustande? Auf der CD gibt es keinen Song dieses Namens. Welche anderen Albumtitel habt ihr noch erwogen?
Carmen: Einen Songtitel als Albumtitel zu nehmen, finde ich auch schwierig, weil der Albumtitel, meiner Meinung nach, stellvertretend für alle Lieder oder unseren Grundgedanken auf der CD stehen sollte. Außerdem wollte ich gerne einen neutralen Albumtitel, weil wir sowohl deutsche, als auch englische (und den einen lateinischen) Songtext haben. Lux Noctis heißt ja Licht der Nacht und ist nicht nur ein, wie ich finde, sehr schöner und romantischer Titel, sondern steht auch für Positives Denken in schwierigen Zeiten. Er schien uns als der einzige wirklich passende.

Wie entstehen eure Songs? Kommt die Melodie zuerst und dann der Text, oder steht der Text zuerst fest und danach wird die Melodie geschrieben?
Carmen: Die Reihenfolge ist total unterschiedlich: Mal steht zuerst ein Text, ein anderes Mal zuerst ein paar Gitarrenriffs oder Melodielinien, die irgendeiner von uns anbringt und ein andermal beides gleichzeitig. Wir hatten auch schon mehrere Fälle, in denen eins von beiden im fast fertigen Song teilweise oder sogar komplett ausgetauscht wurde!! Bei anderen Bands gibt es ja oft nur einen hauptsächlichen Songwriter, aber für uns ist es sehr wichtig, dass jeder von uns am Prozess beteiligt ist, und das formt unseren Stil.

Ihr habt als Besonderheit gleich zwei Sängerinnen. Wie legt ihr fest, welche Passagen  eines Songs von Ada und welche von Carmen gesungen werden?
Carmen: Ganz einfach: Ada singt die tieferen Stellen, die rockig klingen sollen, und ich die höheren Stellen, die mit klarer, klassischer Stimme besser wirken. So bekommen wir viel Abwechslung. Aber das beste ist ja, wenn wir alle beide gleichzeitig und damit so schöne Duette singen können, wie wir sie lieben!

Coronatus

Eure Angaben im Booklet, wer die Lieder geschrieben hat, haben mich ein wenig verwirrt. Beispiele "Track 3 written by M. Kurth & Coronatus", "Track 8 & 9 written by C. Schäfer & Coronatus". Dabei sind doch Mathias und Carmen beide Bandmitglieder.  Ist der erste Name der Verfasser des Textes, und ihr habt gemeinsam die Melodie gemacht? Oder steckt etwas anderes dahinter?
Carmen: Der erste Name ist derjenige, der maßgeblich die Musik geschrieben hat, was ja überhaupt erst die Basis dafür ist, dass sich alle anderen an der Bearbeitung beteiligen können.

Wer ist G. Grigoriadis, der an immerhin vier Tracks mitgewirkt hat?
Carmen: George war zusammen mit Mats der Gründer von Coronatus und war damals auch der Hauptsänger, hat die Band aber schon sehr früh wieder verlassen. Es gab mit seinem Gesang sogar eine Single mit den Liedern "Volles Leben" und "Strahlendster Erster" drauf. Die Besetzung mit den zwei Frontfrauen und dass aus dem Projekt Coronatus eine Band wurde, hat sich erst viel später, Ende 2004 ergeben, als Mats mal wieder neue Frontleute suchen musste.

Der Sinn des Refrains von "Scream of the Butterfly": "Rosen Rosebud Rosy, Rosy Mine" erschließt sich mir nicht so ganz, wie überhaupt der ganze Song ein wenig rätselhaft ist. Wovon handelt das Lied, und was ist mit dem Refrain gemeint?
Mats: Im Allgemeinen finde ich es nicht so gut, allzu genau auf die Bedeutung der Texte einzugehen. Denn wenn jemand das Lied mochte, weil es bei ihm ein bestimmtes Gefühl ausgelöst hat, und nun unsere Erklärung dazu hört, dann ist derjenige hinterher vielleicht etwas enttäuscht; vielleicht ist ihm diese Erläuterung zu profan oder was auch immer...aber um hier doch etwas zu sagen: für mich geht es bei dem Song um Versprechungen der oftmals etwas "flatterhafter" Art, die oftmals ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Menschen bestimmen.

Basiert "Hot and Cold" auf schlechten (Lebens-)Erfahrungen?
Carmen: So negativ würd ich das jetzt gar nicht beurteilen, sondern eher als ein wenig knifflig, wenn man gerne mit jemandem mehr Kontakt hätte, der sich lieber abschottet. Da freut man sich über die Stunden oder sogar nur Minuten, die man miteinander verbringen kann, umso mehr; und man malt sich insgeheim vielleicht aus, was man machen würde, wenn man noch mehr Zeit zusammen hätte...

Was steckt hinter dem Text von "Volles Leben"?
Mats: Die Rebellion der Engel, der ersten Schöpfung, gegen den Herrn und Meister. Sie schauen voll Neid auf die Menschen und wollen ebenfalls das "volle Leben". Ist so ein Mix aus "Gods Army" und Einsprengsel aus Rilkes Elegien...

Ihr seid besonders stolz darauf, dass das Album von Mika Jussila (Finnvox) abgemischt wurde. Liegt das an den anderen Bands (z.B. Nightwish), die Mika Jussila ansonsten abgemischt hat? Ist eine dieser Bands (z.B. die vorgenannte Band aus Kitee) etwa eins eurer musikalischen Vorbilder?
Carmen: Natürlich freuen wir uns, dass Mika Jussila unser Album gemastert hat. Zum Einen, weil Größen, wie Nightwish, welche zweifelsohne klasse Musik machen, auch zu ihm gehen. Zum Zweiten aber einfach auch, weil dieser Mann einen wirklich ein sauberen Sound produziert. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Jungs von The Vision Bleak in ihrem Studio E dafür überhaupt erst die Grundlage geschaffen haben. Außerdem mögen wir aber auch noch jede Menge andere Bands, sogar aus dem Viking- und Black Metal-Bereich!

Das Artwork von "Lux Noctis" stammt von Katja Piolka. Wie stark konntet ihr am Artwork mitwirken, ggf. eigene Ideen einbringen? Oder habt ihr Katja Piolka freie Hand gegeben?
Carmen: Noch lange vor der Entstehung unseres Albums hatte Katja das Artwork schon mehr oder weniger in ihrem Kopf. Wir haben nur ein wenig von unserem Senf dazugeben müssen - so zufrieden waren und sind wir damit! Im Prinzip kam alles von ihr!
Mats: Wir kannten uns schon lange vor der Albumsproduktion. Und Katja mag unsere Musik. Daher hatte sie sich schon im Vorfeld Gedanken gemacht. Mir selbst war wichtig gewesen, dass man auf den ersten Blick sieht, was für eine Musik auf der CD drauf ist. Das hat sie aber ganz genauso gesehen und den ersten Entwurf bereits genauso gemacht, dass man ihn nur noch Abnicken brauchte.

Bei Last.FM steht unter "Bands Similar to Coronatus" Tristania an erster Stelle, mit 100% Übereinstimmung. Seid ihr ebenfalls der Ansicht, dass eure Musik ähnlich wie Tristania ist? Welche Bands machen eurer Meinung nach ähnliche Musik wie ihr?
Carmen: Wir gehören sicherlich beide, grob gesehen, ins gleiche Genre, Gothic Metal. Ansonsten finde ich persönlich die Ähnlichkeit nicht so groß wie z.B. gesanglich mit Elis, wo die verstorbene Sängerin ebenfalls teilweise tief in Bruststimme, als auch höher und klassisch in Kopfstimme gesungen hat. In vielen Kritiken ist sogar zu lesen, dass ich ähnlich wie Tarja Turunen klänge...
Mats: Ich denke auch, die Ähnlichkeit zu Tristania ist nicht besonders groß. Wir haben keinen männlichen Growler und die Gitarrenarbeit bzw. die Rhythmusgruppe allgemein arbeitet gänzlich anders, wie ich das höre. Gefällt mir aber auch gut!

Würde es euch reizen, einmal den Soundtrack zu einem Film mitzugestalten? Wenn ja: was für ein Film sollte das sein?
Carmen: Das ist tatsächlich noch ein großer Traum von mir! Das Genre wäre mir egal, solange es ein richtiger Kinofilm oder eine interessante Serie und kein Splatter wäre...
Mats: Ein Fantasy-Epos oder etwas Historisches mit viel Bombast. Wehende Fahnen im Wind...*g*

Frage an Chriz: ist der Name auf eurer Website "Chriz diAnno" eine Hommage an Paul di'Anno (Iron Maiden-Sänger von 1978 bis 1981)?
Chriz: Zunächst entstand der Name aus bierverwaschener Aussprache des vollständigen Vonamens im romanischen Sprachraum (Christiano). Im Hintergrund lief in jenem Moment Manowar , da fiel dann jemandem der Anwesenden eine gewisse Ähnlichkeit zum Namen des Manowar-Bassisten Joey de Maio auf. Erst als sich die erste Belustigung darüber gelegt hatte und der Name in 2 Hälften geteilt war (die Kurzform schon lange mit „z"), fiel auch die Parallele zu Paul di'Anno auf.

Wie seht ihr eure Zukunft als Band? Nightwish haben es geschafft, nun schon zwei Alben zusammen mit dem London Symphony Orchestra aufzunehmen. Würde euch die Zusammenarbeit mit einem solchen Orchester auch reizen (rein künstlerisch gesehen -  dass es finanziell derzeit nicht möglich ist, ist klar)?
Carmen: Organisatorisch brauchen wir dringend noch eine Booking Agentur und hoffen, dass wir 2008 noch als Support touren können. Musikalisch: Bei einigen unserer Lieder würde sich ein Orchester wirklich gut machen, während bei anderen Liedern ein paar einzelne Orchesterinstrumente (die dann für gewöhnlich vom Keyboard gespielt werden) völlig ausreichen. Ein bisschen Bombast darf schon sein - wir haben sogar einen Komponisten, mit dem wir für das zweite Album zusammenarbeiten können - aber man muss es auch nicht übertreiben mit dem Bombast, schließlich sind wir kein Orchester, sondern eine Band, und so soll es auch bleiben!